An dem vorerst letzten Dialograum in dieser Form nahmen dreißig Menschen teil.
Die Moderation übernahmen Friedricke Kasack und Superintendent Christian Bald. Das Thema war: KulturRaum stärken!
Die Idee der City-Kirche ist nicht neu – sie knüpft an einen bereits früher aufgenommenen Gedanken an. Nun soll die Stadtkirchenarbeit wiederbelebt und mit neuer Kraft fortgeführt werden. Dabei lebt die City-Kirche von der Beteiligung vieler Menschen, die ihre Ideen, ihre Zeit und ihre Begabungen einbringen und so gemeinsam das kirchliche Leben in der Stadt gestalten.
Zur Durchführung der City-Kirche sind vier ThemenRäume gebildet worden:
Christel Weber / Chiara Faber
Die City-Kirche möchte Spiritualität für möglichst viele Menschen zugänglich machen. Dazu gehören unterschiedliche Angebote, die Menschen in verschiedenen Lebenssituationen ansprechen und ihnen Raum für Besinnung, Begegnung und Glauben eröffnen.
Die Atempause findet bereits regelmäßig statt. Geplant sind meditative Angebote mit Frau Gieselmann und auch andere Veranstaltungen.
Bertold Becker
Gesellschaftliche Fragen bewegen viele Menschen und gehören deshalb auch in die Arbeit der City-Kirche. Die Kirche trägt Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und ist aufgerufen, sich mit den großen Herausforderungen unserer Zeit auseinanderzusetzen.
Dazu gehören Themen wie die wachsende Kluft zwischen Reichtum und Armut, der gesellschaftliche Wandel sowie der zunehmende Einfluss rechter Kräfte. Die zentrale Frage lautet: Wie können wir als Gesellschaft diese Herausforderungen gemeinsam bewältigen?
Die Kirche versteht sich dabei als Teil der Gesellschaft. Sie möchte Orientierung geben, den Dialog fördern und Menschen zusammenbringen, um gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen.
Henrik Nagel-Fellerhoff vom Johanneswerk betont, dass die Vernetzung ein ganz wichtiges Thema ist. Der Themenraum befindet sich derzeit im Aufbau und soll als Ort des Austauschs, der Begegnung und der Zusammenarbeit weiterentwickelt werden.
Bereits jetzt haben Gespräche mit verschiedenen Kooperationspartnern unter anderem mit Frau Schwarz als Vertreterin von Bethel sowie mit Herrn Nacke von der Caritas, stattgefunden und sind auf Interesse gestoßen.
Frau Schwarz betont, dass Bethel zwar mitten in der Stadt präsent ist, aber doch von der Kirche sehr getrennt ist. Ziel ist es daher, Inklusion stärker sichtbar und erlebbar zu machen. Gemeinsame Projekte wie Theateraufführungen, Vorträge und weitere kulturelle Veranstaltungen können dazu beitragen, Menschen zusammenzubringen und neue Begegnungsräume zu schaffen.
Ruth M. Seiler
Die Verbindung von Kirche und Kultur ist kein neues Thema, bleibt aber ein wichtiger Schwerpunkt. Kultur soll nicht nur im Gottesdienst ihren Platz haben, sondern in ihrer ganzen Vielfalt in der Kirche präsent sein. Die Kirche bietet mehr und eröffnet Raum für unterschiedliche kulturelle Ausdrucksformen. Neue Klänge, neue Bilder und neue Formen der künstlerischen Auseinandersetzung können dazu beitragen, Menschen anzusprechen und die Kirche als offenen Ort der Begegnung zu stärken. Dabei bleibt die Kirche mit ihrem geistlichen Auftrag stets das Zentrum ihres Handelns.
Als Beispiele wurden die Neustädter Marienkirche mit ihrem Konzept für Ausstellungen – unter anderem mit weißen Wänden als Präsentationsfläche – sowie die Süsterkirche mit ihrem politischen und gesellschaftlichen Profil genannt. Ziel ist es, diese unterschiedlichen Schwerpunkte zu stärken und ein tragfähiges Netzwerk im Kulturraum zu etablieren.
Auf die Frage „Wenn Sie die Verantwortung für die Organisation der City-Kirche übernehmen würden: was wären Ihre zentralen Überlegungen und welche nächsten Schritte würden Sie einleiten?“ antwortet Martin Knabenreich:
Bielefeld verfügt über eine starke Kultur- und Veranstaltungsszene. Gleichzeitig befindet sich die Innenstadt in einem tiefgreifenden Wandel. Einkaufen ist längst nicht mehr der Hauptgrund, warum Menschen in die Stadt kommen. Viele Bestellungen laufen über den Online-Handel wie Amazon, Essen wird über Lieferdienste bestellt und selbst Gottesdienste können digital besucht werden.
Die entscheidende Frage lautet daher: Womit konkurrieren wir eigentlich?
Die größte Konkurrenz sind nicht andere Kirchen oder Kulturveranstaltungen. Es ist das Sofa! Menschen können heute nahezu alles bequem von zu Hause aus erleben.
Die Innenstadt muss wieder ein Ort werden, für den es sich lohnt, das Haus zu verlassen. Nicht wegen des Konsums, sondern wegen echter Begegnung, gemeinsamer Erlebnisse und neuer Erfahrungen.
Die City-Kirche sollte sich deshalb fragen:
Unsere Gesellschaft ist von einem ständigen Wettbewerb um Aufmerksamkeit geprägt. Gleichzeitig nimmt die Einsamkeit vieler Menschen zu.
Gerade junge Erwachsene zeigen oft zwei scheinbar gegensätzliche Entwicklungen:
Der Bedarf ist vorhanden – wenn das Angebot überzeugt.
Ein Beispiel ist „Bielefeld singt!“: 25.000 Tickets waren innerhalb von zwei Tagen verkauft. Das zeigt, dass Menschen bereit sind, ihre Wohnung zu verlassen, wenn sie ein gemeinschaftliches Erlebnis emotional anspricht.
Die Zukunft der Stadt liegt nicht allein im Konsum. Sie liegt in Gemeinschaft, Kultur, Spiritualität und lebendigen Begegnungsräumen. Hier kann eine City-Kirche einen unverwechselbaren Beitrag leisten – offen, modern, mutig und mitten in der Stadt.
Frau Welz ist Schulmusikerin und betont die große Bedeutung der Kultur für Bielefeld. An Kultur werde in der Stadt nicht gespart – im Gegenteil: Die freie Kulturszene sei lebendig, vielfältig und ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Sie sieht die Kirche als ein Zeichen von Ruhe. In der Kirche kann man Mensch sein, ohne Kritik.
Für die ThemenRäume stehen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung. Die Arbeit in den ThemenRäumen wird ohne Unterbrechung fortgesetzt.
Der Entwicklungsprozess des Dialograums in der bisherigen Form ist abgeschlossen. Parallel dazu erarbeitet der Trägerkreis eine tragfähige Trägerstruktur.
Auch künftig wird es weitere Dialogräume geben. Diese werden jeweils themenbezogen gestaltet und bieten Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Weiterentwicklung.
Es geht weiter, Sie hören von uns!